Christuskirche Mannheim
Kirchenmusik

Steinmeyer-Orgel

Nordempore: 4 Manuale, 96 Register - Steinmeyer (1911),
Generalrestaurierung: Lenter/Link 2016-2018

Zugleich mit der Einweihung der Christuskirche konnte am 1. Oktober 1911 auch die von der Königlich Bayerischen Hof-, Orgel- und Harmoniumfabrik G. F. Steinmeyer in Oettingen als Opus 1100 erbaute Orgel eingeweiht werden. Mit 92 Register auf 4 Manualen und Pedal einschließlich eines Fernwerks und mit 7869 klingenden Pfeifen war sie damit die größte Orgel Süddeutschlands. Ihr Preis betrug 49.575,-- DM. Arno Landmann, Organist der Christuskirche von 1911-1942, ein Schüler von Karl Straube und Freund Max Regers, bestätigte in seinem Abnahmegutachten, die Orgel sei "mit einer Ausdrucksfähigkeit ausgestattet, mit welcher auch die kompliziertesten Werke der Orgel-Literatur dem modernen Empfinden gemäß zur Wirkung gebracht werden können...".
Für die Intonation war Albert Steinmeyer verantwortlich, der als einer besten Intonateure seiner Zeit galt. Die Traktur der Hauptorgel war ursprünglich pneumatisch, die des Fernwerks elektropneumatisch.

Der Spieltisch war an das Gehäuse angebaut. Für den Organisten ergab sich das akustische Problem. Dass er durch die Lautstärke des direkt vor ihm platzierten Hauptwerks und der vorn stehenden Pedalstimmen die Register der übrigen Manuale beim Spielen kaum hören konnte. Deshalb wurde die Traktur der Hauptorgel im Jahre 1939 auf Elektropneumatik umgestellt und der ursprüngliche Spieltisch durch einen neuen, fahrbaren ersetzt. Die durch Herausnahme des Spieltisches entstandene Öffnung wurde durch einen Teil des umgesetzten Choralbass 4' geschlossen. Kirche und Orgel erlitten in den Bombennächten des Zweiten Weltkrieges glücklicherweise nur verhältnismäßig geringe Beschädigungen. Im Jahre 1952 wurde die Orgel gründlich überholt und die Kriegsschäden beseitigt. Dabei wurden verschiedene Register aus der Orgel herausgenommen und durch neue, einem "barockisierenden" Klangideal entsprechende, ersetzt.

Bei der Restaurierung im Jahre 1984, ausgeführt durch die Firma Steinmeyer, wurde die Orgel klanglich teilweise wieder in ihren ursprünglichen Zustand versetzt und einige Register, entsprechend der Originaldisposition, wiederbeschafft. Außerdem erhielt die Orgel einen neuen Spieltisch, der mit einer elektronischen Setzeranlage mit 32 Kombinationen ausgerüstet ist. 1995 führte die Frima Orgelbau Lenter eine Nachintonation durch, die wiederum dazu diente, dem Orginalklang näher zu kommen. Im Jahre 2000 konnte die Tonhöhe auf 447 Hz gesenkt werden und Stoßfänger wieder gangbar gemacht werden. Im Jahr 2002 wurden 2 Register originalgetreu ersetzt: Dolce 4', Klarinette 8', im Jahre 2003 wurde wieder eine Celesta im Fernwerk eingebaut (Deagan-Celesta, Chicago ca. 1930, schwellbar).

Die modernen Vorschriften für elektrische Anlagen, die zunehmenden Störungen bei Ventilen und Registern, der Teilausfall der Schweller, die schlechte Stimmhaltung von Pfeifen und das drohende Auseinanderfallen des Spieltisches führten zu einer Generalsanierung, deren erster, 80% umfassender Teil im November 2017 abgeschlossen wird. Ein neuer Spieltisch, eine vollständige Rekonstruktion alle Pfeifen und Pfeifenlängen, Erneuerung sämtlicher Ton- und Rgister-Ventile, Abdichtung der Laden und eine erneuerte Elektrik geben der Orgel neue Kraft und Zuverlässigkeit.

Bilder von der Renovierung

Somit besitzt der Christuskirche heute eine der wenigen großen Konzertorgeln vom Anfang des Jahrhunderts, die beide Weltkriege und die Deutsche Orgelbewegung unversehrt überstanden hat. Die Orgel steht unter Denkmalschutz und stellt ein klangliches Dokument ihrer Entstehungszeit von einmaligem Wert dar.

Hörbeispiele:

Disposition

I. Manual
Großprinzipal 16’
Bordun 16’
Prinzipal 8’
Gemshorn 8’
Gedeckt 8’
Jubalflöte 8’ (Hochdruck)
Spitzflöte 8’
Viola di Gamba 8’
Oktav 4’
Fugara 4’
Traversflöte 4’
Superoktav 2’
Quintflöte 5 1/3’
Quinte 2 2/3’
Kornett 8’ 3-6fach
Mixtur 2’ 5fach
Cymbel 2/3’ 4fach
Tuba mirabilis 8’ (Hochdruck)
Clarine 4’ (Hochdruck)
Koppeln II/I, III/I, IV/I, Super I, Super II/I, Super III/I, Sub II/I, Sub III/I

II. Manual (Schwellwerk)
Rohrflöte 16’
Geigenprinzipal 8’
Nachthorn 8’
Konzertflöte 8’
Doppelgedeckt 8’
Salizional 8’
Dulziana 8’
Unda maris 8’
Kleinprinzipal 4’
Rohrflöte 4’
Gemshorn 4’
Flauto dolce 4’
Piccolo 2’
Sesquialtera 2 2/3’ 2fach
Larigot 2’ 2fach
Cymbel 1’ 3fach
Clarinette 8’
Tremulant
Koppeln III/II, IV/II, Super II, Super III/II, Sub III/II

III. Manual (Schwellwerk)
Stillgedeckt 16’
Hornprinzipal 8’
Soloflöte 8’
Lieblichgedeckt 8’
Quintatön 8’
Zartflöte 8’
Viola 8’
Aeoline 8’
Vox coelestis 8’
Prinzipal 4’
Kleingedeckt 4’
Fernflöte 4’
Dolce 4’
Flageolett 2’
Piccolo 1’
Gemsquinte 2 2/3’
Terz 1 3/5'
Superquinte 1 1/3’
Septime 1 1/7’
Plein Jeu 2 2/3’ 5fach
Fagott 16’
Trompete harmonique 8’
Oboe 8’
Clairon 4’
Tremulant
Glockenspiel

IV. Manual (Fernwerk, schwellbar)
Quintatön 16’
Prinzipal 8’
Hellflöte 8’
Bordun 8’
Echogamba 8’
Vox angelika 8’
Seraphonfugara 4’
Harmonieflöte 4’
Flautino 2’
Progressivharmonika 2 2/3’ 3fach
Trompete 8’
Vox Humana 8’
Tremulant, Tremulant Vox Humana ab
Violon 16’ (Pedal im FW)
Bordunbaß 16’ (Pedal im FW)
Prinzipal 8’ (Pedal im FW)
Celesta 4'

Pedal
Untersatz 32’
Prinzipalbaß 16’
Kontrabaß 16’
Subbaß 16’
Streichbaß 16’
Zartbaß 16’
Oktavbaß 8’
Violoncello 8’
Gedecktbaß 8’
Choralbaß 4’
Baßflöte 4’
Blockflöte 2’
Quintbaß 10 2/3’
Mixtur 5 1/3 5fach
Bombarde 32’
Posaune 16’
Fagott 16’
Trompete 8’
Fagott 8’
Clairon 4’
Koppeln I/P, II/P, III/P, IV/P, Super II/P

Zimbelstern (regulierbar)
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Oktavkoppeln teilweise ausgebaut,
Zungen ab, Mixturen ab, Manual 16’ ab atc.
Walze, Schwelltritte II, III, IVa, IVb